Am 15. November 1884 begann in Berlin die sogenannte „Kongo-Konferenz“, in deren Folge die Kolonialmächte Regeln für die weitere Aufteilung des afrikanischen Kontinents festlegten. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Unrechtsystem Kolonialismus und dessen Aufarbeitung sind heute zentrale kulturpolitische Anliegen.
Die Rückgabe von Objekten aus kolonialen Kontexten ist der Bundesregierung ein zentrales Anliegen. Zahlreiche Benin-Objekte aus dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin wurden bereits nach Nigeria restituiert.
Die „Kongo-Konferenz“ markiert auch den Beginn von Deutschland als Kolonialmacht. Mit dem Ende des ersten Weltkrieges musste Deutschland seine Kolonien abtreten. Die deutschen Kolonien bildeten nach den britischen und französischen zweitweise das an Fläche drittgrößte Kolonialreich. Dazu gehörten unter anderen Territorien in den heutigen Staatsgebieten von Tansania, Burundi, Ruanda, Namibia, Kamerun, Togo und Ghana.
Am 15. November 1884, wurde in Berlin die sogenannte „Kongo-Konferenz“ eröffnet. Auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck kamen Vertreter der europäischen Kolonialmächte, der USA und des Osmanischen Reiches zusammen, um über das künftige Vorgehen auf dem afrikanischen Kontinent zu beraten. Afrikanische Repräsentanten waren nicht anwesend. Die Konferenz löste einen Wettlauf um die noch nicht besetzten Gebiete auf dem afrikanischen Kontinent aus.
Die „Kongo-Konferenz“ stehe für das Unrechtssystem Kolonialismus, für die gewaltsame und systematische Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch die Kolonialmächte, so Kulturstaatsministerin Claudia Roth anlässlich des Jahrestages. „Dieses Unrecht hat tiefe Wunden hinterlassen – Wunden, die bis heute sichtbar sind. Der Jahrestag der Kongo-Konferenz muss für uns Mahnung und Auftrag zugleich sein.“
Das Erinnern an vergangenes Unrecht beinhaltet für Roth deshalb nicht nur die Aufgabe, die koloniale Geschichte als Teil unserer Erinnerungskultur zu verankern. Sie sieht darin auch eine Verpflichtung, an einer gerechteren Gegenwart und einer neuen, gemeinsamen Zukunft zu arbeiten. „Dafür brauchen wir eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe und die Stärkung der kulturellen Zusammenarbeit“, erklärt die Kulturstaatsministerin.
Wie diese Anliegen umgesetzt werden können, zeigt eine ganze Reihe von Initiativen und Projekten, die in den vergangenen Jahren und Monaten mit Unterstützung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien realisiert wurden.
Auch zahlreiche Einrichtungen und Projekte, die von der BKM gefördert werden, tragen zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit bei. Zum Beispiel das Bundesarchiv durch ein KI-Pilotprojekt zur gestützten lernenden Volltexterkennung, mit dem die gesamten Unterlagen des Reichskolonialamtes durchsucht werden können.
Oder die Kulturstiftung des Bundes, die mit dem neuen Programm „WAYS – Faire und nachhaltige internationale Partnerschaften“ langfristige Kooperationen zwischen Kunst- und Kulturschaffenden aus Deutschland und außereuropäischen Regionen unterstützt. Diese gemeinsamen Projekte sollen auf organisatorischer Ebene den Prinzipien fairer und nachhaltiger Zusammenarbeit folgen, die in einem gemeinsamen Dialogprozess entwickelt wurden und als Grundlage des Programms dienen. Die Kulturstiftung des Bundes fördert in den Jahren 2020 bis 2024 außerdem das Berliner-Modellprojekt „Dekoloniale – Erinnerungskultur in der Stadt“ – ein kritisches Recherche-, Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm.